... und das ist noch lange nicht allesJetzt hab ich das Buch angesprochen, jetzt muss ich auch darüber schreiben.
Lauscher wohnt in einer Märchenwelt. Er ist der Sohn eines großen Häuptlings, des großen Brüllers; nur ist er ihm völlig verschieden. Lauscher ist ruhig, und ganz bestimmt nicht dafür gemacht, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Er passt nicht in diese Welt; er ist ein Antiheld Eines Tages wird ihm von einem sterbenden Beutereiter ein Stein geschenkt, der in allen Farben schillert. Der Stein verspricht ihm etwas, und Lauscher will sich auf machen, es zu suchen. Der Beutereiter gibt ihm ein Gedicht mit auf den Weg: "Suche den Schimmer, suche den Glanz! Du findest es nimmer, findest du es nicht ganz!" Also sucht Lauscher. Er trifft zuerst seinen Großvater, einen Zauberflöter und lernt von ihm so die Flöte spielen, dass er damit die Gefühle der Menschen beeinflussen kann. Lauscher reist, begegnet viele Menschen, erlebt viele Dinge, immer auf der Suche. Er findet verschiedene Mädchen, bei jedem von ihnen glaubt er, den Widerschein seines Steines in ihren Augen zu sehen. Er bleibt, baut sich ein Leben und kommt jedes Mal zu dem Schluss: das war noch lange nicht alles, er hat noch lange nicht begriffen. Lauscher muss den Dingen auf den Grund gehen, muss sich in jeden Menschen hinein versetzen, er wird sogar für Jahrzehnte in einen Stein verwandelt, um zu verstehen, wie der sich fühlt.
Für mich ist Stein und Flöte eines der wichtigsten Bücher überhaupt. Es handelt von der Suche nach einem Sinn und davon, dass man sich nie auf dem ausruhen kann, was man erreicht hat. Denn es gibt immer noch mehr, noch wundervolleres zu entdecken. Das Buch gibt Hoffnung, dass sich irgendwann alles in einander fügt. Dass auch die Umwege, die man macht zur Suche gehören. Es ist eine Erinnerung daran, dass keine Wahrheit alles sein kann, sondern nur eine Etappe zur nächsten Wahrheit. Und dass das, worauf es ankommt sich nur in anderen Menschen findet, im Hinein versetzen und darauf, ihnen zu helfen. Dazu kommt, dass es im Buch von kleinen Geschichten nur so wimmelt. Jede Begegnung, die Lauscher macht, ist mit einer eigenen kleinen Weisheit verbunden und viele der eingebetteten Geschichten sind von sich aus schon einfach nur schön. Ein Philippe-Buch eben.
Hans Bemmann ist 1922 geboren und studierte zuerst Medizin. Im Krieg wurde er nach Russland versetzt, danach wechselte er zu Germanistik und Musikwissenschaften. Er war Bibliothekar und später Lehrer an verschiedenen Hochschulen. Stein und Flöte ist sein bekanntestes Werk, die meisten anderen seiner Werke sind ebenfalls eher in der Fantasy-Literatur angeordnet.
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